Ein ungewöhnliches Gelsenjahr 2014

Alle Menschen sind in Erwartung der Festlichkeiten, „weiße Weihnachten und Neujahr“ stehen vor der Tür und unsere Gedanken beschäftigen sich mit allem – nur nicht den Gelsen! Aber Jahresende ist auch die Zeit, um einen Rückblick zu nehmen und schon jetzt darüber nachzudenken, was man in Zukunft bezüglich der Gelsenregulierungverbessern sollte.

In diesem Sinne – wie ist das Gelsenjahr 2014 verlaufen? Nun zunächst fing alles mit einem extrem milden, aber niederschlagsarmen Winter an, der die Chancen für die überwinternden Gelsen erhöht und schon deshalb war die Aufmerksamkeit des Gelsenvereins mit seinen Mitarbeitern in den 9 Gemeinden entlang Thaya und March schon sehr früh im März stark erhöht. Regelmäßige Kontrollen in der Au und den Randgebieten waren Pflichtübung für alle, es folgten Schulungen der Mitarbeiter, dieses Jahr in allen Gemeinden gesondert und besonders intensiv, denn nur gut geschulte Mitarbeiter können die richtigen Maßnahmen ergreifen. Erste kleine Hochwässer an der March und der Donau im Mai und Juni wurden von unseren Gelsenwehren – den mit Rückenspritzen ausgestatteten Mitarbeitern der Gemeinden und den freiwilligen Helfern gemeistert. Dann folgte der trockenste Sommer seit vielen Jahren und die Mitarbeiter konnten sich voll auf die Regulierung der Hausgelsen innerhalb der Gemeinden und Kellerberge konzentrieren, in Regenabflussschächten, kleinen Teichen, Gräben und Wasserfässern wurden den „ortseigenen Gelsen“ sehr erfolgreich zu Leibe gerückt.

Doch dann kam die große Wende – ab Mitte August 2014 gab es ungewöhnlich viele Regenfälle, meist nicht sehr große Mengen, aber sehr kontinuierlich und so war es unvermeidbar, dass auch die Flüsse stiegen. Insbesondere die Thaya brachte viel Wasser und Anfang September (an der Donau schon Ende August) kam es zu ersten Hochwässern und gehäuften Einsätzen, auch der Hubschrauber flog wieder mehrere Einsätze in etlichen Gemeinden und es lief noch alles in geregelten Bahnen. Der Erfolg der Maßnahmen war gut, es entwickelten sich kaum Gelsen. Doch die Regenfälle setzten sich fort und auch auf den Äckern blieb das Wasser an vielen Stellen stehen, häufig auch dort, wo nie zuvor Wasser stand. Es kam zu mehreren weiteren Hochwässern und die gesamte Au lief voll – etwa ab einem Machpegel von 4,2 m (Hohenau) wird ein Großteil der Au geflutet. Auch im benachbarten Tschechien wurde das gesamte Soutok-Gebiet geflutet, wie auch die Au in der Slowakei. Erneut wurde der Hubschrauber, diesmal großflächig, eingesetzt (am 21.09.14) und es folgten intensive Nachkontrollen, die eigentlich zeigten, dass der Großteil der Brut vernichtet war. Die Wasserstände blieben aber für weitere 2 Wochen hoch und es folgte das Unerwartete: Erneut setzte Ende September/Anfang Oktober das Schlüpfen der Gelsen-Larven ein – großteils unbemerkt.

Hier ist ein kurzer Ausflug in die Biologie der Gelsen notwendig: Die im Boden liegenden Gelsen-Eier werden aktiviert, wenn drei Faktoren der Umwelt richtig sind: die Wassertemperatur muss über 10o C sein, der Sauerstoffgehalt im Wasser muss fallend sein, d.h. das Wasser steht jetzt in den Tümpeln, fließt also nicht mehr und die Tageslänge ist zunehmend bzw. gleichbleibend.

Nun ist es in Mitteleuropa allgemein üblich, die Maßnahmen zur Gelsenregulierung ab Mitte September einzustellen, da die Tage deutlich kürzer werden und die Gelsen-Eier „wissen“, es kann jetzt Nachtfröste geben und sie entwickeln sich nicht mehr zu Larven und dann zu Gelsen: Aufgrund der warmen Witterung in diesem Jahr wurden die Einsätze bis Ende September fortgesetzt, aber nicht länger! Hervorgerufen durch die sehr warmen und sonnenreichen hellen Tage haben sich die Gelsen danach unerwarteter Weise weiter entwickelt und es kam zu einer regelrechten Plage im Oktober, die von den Mitbürgern der Region sehr heftig erlebt wurde, da, angeregt durch die sonnenreichen Tage dieses schönen Herbstes, viele Aktivitäten noch auf Balkon, Terrasse, im Garten und beim Heurigen stattfanden.

Das bringt uns zum Thema der Verbesserungen für das nächste Jahr, zuallererst müssen wir wieder sehr früh anfangen, die Gelsenwehren wirklich einsatzbereit zu machen. Hierzu auch der inständige Aufruf an alle Mitbürger, sich eventuell als freiwillige Helfer zur Verfügung zu stellen und mitzuarbeiten, wenn Einsätze notwendig sind. In vielen Gemeinden haben wir immer noch viel zu wenige Freiwillige, leider sind die überfluteten großflächigen Augebiete mit einer kleinen Mannschaft nicht optimal kontrollierbar.

Weiterhin haben wir natürlich gelernt, dass die Gelsensaison erst beendet ist, wenn sich keine Gelsen mehr entwickeln und nicht wenn der Kalender es vermuten lässt! Wir werden also – allen Unkenrufen zum Trotz – von denen es nicht wenige gab, als der kostspielige Hubschrauber im September noch eingesetzt wurde, im nächsten Herbst weiter auf der Hut sein und unsere Arbeit fortsetzen, bis sich wirklich keine Larven mehr entwickeln.

Wir müssen uns aber auch klar sein, dass die Regulierung der Gelsen wirklich einen großen finanziellen Aufwand bedeutet. Wir haben gelernt, dass der Hubschrauber das erfolgreichste Mittel bei größeren Hochwässern ist – nur so können große Flächen erfolgreich bearbeitet werden – aber eben auch viel Geld kostet.

Und abschließend möchten wir nochmals darauf hinweisen, dass wir unsere Bemühungen intensiv fortsetzen werden, unsere östlichen Nachbarn zu überzeugen, sich an der Gelsenregulierung auf ihren Gebieten zu beteiligen. Gelsen kennen nämlich keine Grenzen und bei Ostwind kommen sie auch in Scharen zu uns herüber.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein frohes Weihnachtsfest, ein gutes gesundes und gelsenarmes Jahr 2015 und hoffen auf rege Beteiligung an der gewaltigen Aufgabe der Gelsenregulierung.

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